ÜBERSICHT

Bonn
29. 12. 2017

Bonn bit­tet um Spen­den für Stüh­le

1,2 Mil­lio­nen Eu­ro für Mo­bi­li­ar der Be­et­ho­ven­hal­le feh­len. Sa­nie­rung ver­zö­gert sich

Wenn leere Stuhlreihen zur Kulisse werden: Der Dirigent Peter Rusicka posiert 2010 in der Beethovenhalle für den GA-Fotografen. ARCHIV FOTO: LANNERT

Von An­dre­as Baum­ann

Bonn. Die Sa­nie­rung der Be­et­ho­ven­hal­le dau­ert län­ger als ge­dacht. Ei­gent­lich soll­te das Bau­denk­mal bis De­zem­ber näch­sten Jah­res fer­tig wer­den. We­gen di­ver­ser Ver­zö­ge­run­gen und nö­ti­ger Pla­nungs­än­de­run­gen rech­net die Stadt jetzt aber mit ei­ner Ver­schie­bung bis Mit­te Fe­bru­ar 2019. Der Zeit­ver­zug hat laut Stadt­ver­wal­tung meh­re­re Ur­sa­chen. Die Aus­füh­rungs­pla­nung müs­se über­ar­bei­tet wer­den, weil es Ab­wei­chun­gen zur Be­stands­pla­nung ge­ge­ben ha­be. Die As­best­sa­nie­rung der Lüf­tungs­ka­nä­le im gro­ßen Saal ha­be Zu­satz­auf­wand ver­ur­sacht, eben­so wie ei­ne Neu­pla­nung für die nach­träg­lich be­schloss­ene Aus­stat­tung des Res­tau­rants mit mo­der­ner Kü­chen­tech­nik. Zwi­schen Pro­jekt­pla­nern und dem Denk­mal­schutz so­wie der Ver­tre­te­rin der Ur­he­ber­rech­te des Ar­chi­tek­ten Sieg­fried Wol­ske ge­be es zu­dem noch Ab­stim­mungs­be­darf, be­rich­tet die Stadt in ei­ner Mit­tei­lungs­vor­la­ge.

Da­bei geht es nach GA-In­for­ma­tio­nen zum Bei­spiel um die Fra­ge, wie Be­leuch­tungs­ele­men­te in die Raum­de­cken in­te­griert wer­den dür­fen. So­fern die Pla­ner Feh­ler ge­macht ha­ben soll­ten, wer­de man kei­nes­falls „zwei­mal zah­len“, be­ton­te Stadt­di­rek­tor Wolf­gang Fuchs kürz­lich in ei­ner Pro­jekt­bei­rats­sit­zung mit Rat­spo­li­ti­kern. Ein neu­er Ge­samt­ter­min­plan soll zum Jah­res­wech­sel mit den rund 50 be­tei­lig­ten Fach­fir­men ab­ge­stimmt wer­den.

Der Fe­bru­ar wür­de noch rei­chen, um die Hal­le vor dem fol­gen­den Be­et­ho­ven­fest „ein­zu­spie­len“. Die ge­mein­nüt­zi­ge In­ter­na­tio­na­le Be­et­ho­ven­fes­te GmbH hofft auf ei­nen Fer­tigs­tel­lungs­ter­min „vor­zugs­wei­se im Lau­fe des zwei­ten Quar­tals“, wie der der Kauf­män­ni­sche Ge­schäfts­füh­rer Dett­loff Schwerdt­fe­ger er­klärt. „Für das Be­et­ho­ven­fest 2019 in der Be­et­ho­ven­hal­le ist für uns au­ßer­dem ent­schei­dend, zum Vor­ver­kaufs­start im De­zem­ber 2018 Pla­nungs­si­cher­heit zu ha­ben. Die uns be­kann­ten Ter­min­pla­nun­gen ent­spre­chen der­zeit die­sen Vor­aus­set­zun­gen.“ Die Ver­zö­ge­run­gen füh­ren al­ler­dings „zwangs­läu­fig zu ei­nem ge­stör­ten Bau­ab­lauf“, wie die Stadt­ver­wal­tung schreibt. Das wie­der­um be­deu­tet: wei­te­re Kos­ten­stei­ge­run­gen. Zu­letzt stand die Prog­no­se bei et­wa 75 Mil­lio­nen Eu­ro. Er­ste Nach­trä­ge – al­so Nach­for­de­run­gen von be­auf­trag­ten Fir­men – wür­den ge­prüft, so Ma­ri­on Du­is­berg, die Lei­te­rin des Städ­ti­schen Ge­bäu­de­ma­nage­ments Bonn (SGB), im Pro­jekt­bei­rat.

In der Kos­ten­prog­no­se noch nicht ent­hal­ten ist zu­dem die Aus­stat­tung der Be­et­ho­ven­hal­le. Neue Stüh­le, die sta­pel­bar sein müs­sen, um den Saal zum Bei­spiel für Tanz­ver­an­stal­tun­gen frei zu ma­chen, sind mit rund 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro ver­an­schlagt. Da­zu kom­men wei­te­re Mö­bel und tech­ni­sche Aus­rüs­tung für et­wa ei­ne Mil­li­on Eu­ro. Die städ­ti­sche Toch­ter­ge­sell­schaft BonnCC als Be­treib­erin der Hal­le er­stellt ge­ra­de ih­re kon­kre­te An­for­de­rung, die am Jah­res­an­fang vom SGB über­prüft wer­den soll.

Stadt­di­rek­tor Fuchs hofft, die neu­en Stüh­le über Spen­den fi­nan­zie­ren zu kön­nen. Denn die Rats­mehr­heit hat­te die­se In­ves­ti­ti­on aus Kos­ten­grün­den zu­rück­ge­stellt, eben­so wie ei­ne Ver­schö­ne­rung der Au­ßen­an­la­gen (210 000 Eu­ro) und die Er­tüch­ti­gung der Or­gel im gro­ßen Saal (300 000 Eu­ro). Der Rat ap­pel­lier­te da­mals an die Bür­ger, mit Spen­den zu hel­fen, und be­auf­trag­te die Stadt­ver­wal­tung, sich um die­ses An­sin­nen zu küm­mern.

Die Spar­kas­se Köln-Bonn steu­ert be­kannt­lich fünf Mil­lio­nen Eu­ro für ei­nen neu­en Kam­mer­mu­sik­saal bei. Der Ver­ein Pro Be­et­ho­ven­hal­le hat laut Stadt­ver­wal­tung be­reits rund 130 000 Eu­ro ein­ge­sam­melt; die Deut­sche Stif­tung Denk­mal­schutz stellt seit 2015 bis zum En­de der Sa­nie­rung jähr­lich 100 000 Eu­ro be­reit. Da die Spen­de­nak­qui­se „in­halt­lich wie or­ga­ni­sa­to­risch auf­wen­dig“ sei, ar­bei­tet die Stadt­ver­wal­tung mit dem Ver­ein und der Stif­tung zu­sam­men. Als ei­ge­ne Maß­nah­men führt sie „ei­ne Rei­he von VHS-Vor­trä­gen und Dis­kuss­ions­ver­an­stal­tun­gen“ zur Be­et­ho­ven­hal­le an.