ÜBERSICHT

13. 09. 2019

Personalpolitik muss familienfreundlich sein

Theologin Kathrin S. Kürzinger spricht über den beruflichen Wiedereinstieg. Tagung bei der Evangelischen Akademie im Rheinland

Spricht über Beruf und Familie: Kathrin S. Kürzinger.FOTO: PRIVAT

Wie gelingt der berufliche Wiedereinstieg nach der Elternzeit? Zum Thema bietet die Evangelische Akademie im Rheinland eine Tagung an. Darüber sprach Ebba Hagenberg Miliu mit Kathrin S. Kürzinger.

Gibt es Zahlen dafür, wie viele Mütter oder Väter es schaffen, nach der Elternzeit wieder in den Beruf hineinzukommen?

Kathrin S. Kürzinger: Nein. Aber es gibt Studien, die belegen, dass es Frauen nach der Elternzeit – und zwar egal, wie lange sie pausiert haben – im Vergleich zu Männern sehr viel schwerer haben, eine neue Arbeitsstelle zu finden.

Vielen gelingt der Wiedereinstieg aber auch nur unter für die Familie schlechten Bedingungen. Was sind die Gründe dafür?

Kürzinger: Schichtarbeit etwa lässt sich kaum mit den Öffnungszeiten von institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen vereinbaren. Genauso sind Dienstreisen in vielen Familien eine große Herausforderung, wo ein Partner viel allein auffangen muss.

Gibt es Zahlen für Rückkehrer aus anderen Auszeiten wie einem Sabbatjahr?

Kürzinger: Da ein Sabbatical ähnlich wie Altersteilzeit vorab genau vertraglich geregelt wird, sind die Rückkehrquoten hier sehr hoch. Interessanter finde ich, dass mehr Menschen sich ein Sabbatjahr wünschen, als es tatsächlich realisieren können. Allerdings handelt es sich beim Sabbatjahr auch eher um ein Phänomen von sogenannten Gutverdienern.

Welche Rechte haben Rückkehrer denn bei Arbeitgebern?

Kürzinger: Es gibt kein Anrecht auf den bisherigen Arbeitsplatz, der Arbeitgeber kann auch einen gleichwertigen anderen Arbeitsplatz zuteilen. Wichtig dabei ist allerdings, dass man dabei nicht schlechter gestellt werden darf. Auch eine Kürzung des Gehalts bei gleicher Arbeitszeit ist unzulässig.

Welche Unsicherheiten und Ängste plagen Frauen und Männer vor dem Wiedereinstieg?

Kürzinger: Einerseits, ob die Vereinbarkeit von Beruf und Familie tatsächlich so gelingt, wie man sich das vorstellt, also auch ganz praktisch gesprochen: ob die Kinder mit der externen Betreuung gut zurechtkommen. Andererseits natürlich, ob man tatsächlich an derselben Position in Bezug auf Gehalt und Aufgaben wieder einsteigen kann und mit welchen Einbußen auf beiden Seiten hier gegebenenfalls zu rechnen ist.

Die Rückkehr bei Eltern gelingt aber auch wohl kaum im Alleingang?

Kürzinger: Nein. Manche Unternehmen haben inzwischen eigene Betriebskindergärten oder haben sich ihre familienfreundliche Personalpolitik zertifizieren lassen. Im Einzelfall kommt es, wie immer, auf ein gegenseitiges Geben und Nehmen und eine gute Kommunikation von beiden Seiten an.

Sie haben eine kompetente Referentin eingeladen.

Kürzinger: Ja, Gudrun Rieck arbeitet bei der Deutschen Post als Fachexpertin für Vereinbarkeit von Beruf und Familie und kann daher erläutern, welche Punkte beim beruflichen Wiedereinstieg zu beachten sind. Ihr Ansatz ist zunächst anzuleiten, sich selbst bewusst zu werden, was man sich wünscht, um dies dann selbstbewusst vorbringen zu können.

Sie sind als Mutter seit einem halben Jahr Studienleiterin bei der Evangelischen Akademie im Rheinland. Wie vereinbaren Sie selbst Beruf und Familie?

Kürzinger: Mithilfe eines Au-pairs konnte ich im vergangenen Halbjahr wöchentlich von Bayern nach Bonn pendeln. Dennoch war es vor allem für die Kinder eine enorme emotionale Belastung, die wir uns daher keinesfalls dauerhaft vorstellen können. Bei uns in der Familie ist es ein ständiger Aushandlungsprozess, wer in welcher Phase wie viel arbeitet. Durch Wechselschicht bei meinem Mann und Homeoffice bei mir und mit flexiblen Kinderbetreuungen wie Au-pair oder Tagesmutter haben wir bislang immer irgendwie eine Lösung gefunden.

Anmeldung zur Tagung: „Wie plane ich einen beruflichen Wiedereinstieg?“ am Donnerstag, 19. September, von 19.30 bis 21.30 Uhr in der Evangelischen Akademie im Rheinland, Friedrich-Breuer-Straße 86, 53 225 Bonn, 02 28/47 98 98 50 , E-Mail: margit.korsch@akademie.ekir.de . Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos.