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15. 05. 2020
Lob und Kritik für ein nicht vorhandenes Konzept
Freibäder: Bezirksregierung und Personalrat äußern sich zu einem städtischen Papier, das laut Presseamt nur als Entwurf vorliegt
Die Stadt Bonn arbeitet derzeit an einem Konzept für Becken, Wiese und Einlass im Rüngsi und anderen Freibädern. Archivfoto: Friese

Bad Godesberg. Es war eine Nachricht, die im Stadthaus am Donnerstag für Erstaunen sorgte: Bei einer Telefon-Pressekonferenz des Rhein-Sieg-Kreises hatte Landrat Sebastian Schuster mitgeteilt, dass die Stadt Bonn bereits ein Konzept für die Öffnung der Freibäder in Corona-Zeiten vorgelegt habe, das von der Bezirksregierung gelobt worden sei. Kritisch äußerte sich hingegen der städtische Personalrat in seinen Nachrichten über die vorgelegten Vorschläge. Das Kuriose: Laut Presseamt ist das Papier noch gar nicht fertig.
„Die Stadt ist gerade dabei, ein Konzept fertigzustellen, idealerweise in Übereinstimmung mit entsprechenden, aber noch ausstehenden Regelungen des Landes“, teilte Sprecherin Monika Hörig auf GA-Anfrage mit. Zumindest innerhalb des Regierungsbezirks sei seitens der Stadt Bonn ein einheitliches Vorgehen angestrebt. „Die Gespräche finden im Laufe dieser Woche statt.“ Die Sprecherin bestätigte, dass die Verwaltung sowohl dem Personalrat, als auch der Bezirksregierung und dem Rhein-Sieg-Kreis ein Papier habe zukommen lassen. Dabei aber handele es sich um einen Vorentwurf, der sich in einem sehr frühen Stadium befinde. Die Inhalte würden quasi stündlich angepasst, stellte Hörig fest. Anfang der kommenden Woche werde man das endgültige Konzept vorstellen, und zwar bevor an Christi Himmelfahrt mit dem Rüngsi das erste Bonner Freibad eröffnet wird. Ein einheitliches Vorgehen wünschte sich auch Landrat Schuster. Nur so könne ein Bädertourismus vermieden werden, hatte er in der Telefonkonferenz festgestellt. Dass noch vor Pfingsten sämtliche Bäder im Stadtgebiet an den Start gehen sollen, hält der städtische Personalrat für bedenklich. „Die Verwaltung hat zwar zwischenzeitlich ein Konzept vorgelegt, wie unter Beachtung der zurzeit gültigen Abstands- und Hygieneregeln ein Badebetrieb in den Freibädern durchgeführt werden kann“, heißt es in den Personalratsnachrichten. Die Mitarbeitervertretung sehe aber weiterhin „die Probleme in der praktischen Durchführung“.Die Sicherheit der Kollegen und der Badegäste müsse oberste Priorität haben. Die Lösung: „Aus Sicht des Personalrates muss in erheblichem Maße Sicherheitspersonal in den Freibädern eingesetzt werden“, ist in den Nachrichten zu lesen. Dabei gehe es nicht nur um den geordneten Betrieb innerhalb des Schwimmbadgeländes, „sondern vor allem auch um einen ordnungsgemäßen Ablauf beim Einlass in die Freibäder und beim Verlassen“. Ein normaler Badebetrieb wie in den vergangenen Jahren werde nicht möglich sein. Denn: „Die Anzahl der Badegäste wird innerhalb der Bäder deutlich geringer sein als die der Wartenden davor.“Wie berichtet, hatte die Verwaltung zunächst bekanntgegeben, die Freibäder in diesem Jahr nicht zu öffnen. Begründet hatte sie diesen Schritt mit dem deutschlandweit bis zum 31. August geltenden Verbot von Großveranstaltungen mit mindestens 1000 Besuchern. Das Römerbad etwa, so die Verwaltung, zähle an heißen Tagen durchaus 6000 Gäste. Dass die Stadt damit auch Badetage mit weniger als 1000 Gästen von vornherein verhinderte, hatte für Kritik gesorgt. Vor gut einer Woche dann teilte Oberbürgermeister Ashok Sridharan mit, dass die Freibäder noch im Mai wieder öffnen, allerdings mit Einschränkungen. Denkbar sei unter anderem eine Begrenzung der Besucherzahlen.